Arbeitslos? Was ist bei Bewerbungen besonders zu beachten? - Beate Rudolph

Arbeitslos? Was ist bei Bewerbungen besonders zu beachten?

Verschweigen Sie Ihre Arbeitslosigkeit nicht. Das ist vermutlich der einzige pauschale Ratschlag. Alles andere ist individuell zu betrachten: Die Gründe für eine Arbeitslosigkeit sind sehr unterschiedlich. Betriebsbedingte, verhaltensbedingte oder personenbedingte Kündigung, Insolvenz, Kündigung in der Probezeit, Eigenkündigung, Auslauf einer befristeten Vertrages, Nichtübernahme nach einer Ausbildung…

Wichtig ist, dass Sie erklären können, wie es zur Arbeitslosigkeit kam und welche Aktivitäten Sie in Ihrer Arbeitslosigkeit entfaltet haben, um wieder in Arbeit zu gelangen. Erläutern Sie wahrheitsgemäß, kurz, sachlich und nachvollziehbar die Situation und schimpfen Sie nicht auf Ihren alten Arbeitgeber. Diese Fragen werden gestellt, bereiten Sie sich darauf vor!

Der Lebenslauf soll lückenlos sein. Schauen Sie sich als Muster den Europäischen Lebenslauf arbeitslos-und-nunan und orientieren Sie sich an ihm, dann können Sie nichts falsch machen.

Geben Sie wahrheitsgemäß Aktivitäten während der Arbeitslosigkeit an:

Aushilfstätigkeit, Praktikum, Fortbildung, Fremdsprachen, Umschulung, Kurse, ehrenamtliches Engagement, Kinderbetreuung, Pflege Angehöriger…

Ein kleiner Tipp vorweg: Ein Empfehlungsschreiben zum Beispiel aus einem Ehrenamt heraus, kann sich als sehr wertvoll herausstellen.

Wie sollte ein Empfehlungsschreiben aussehen? Was ist zu beachten?

Ein Empfehlungsschreiben ist eine gute Referenzmöglichkeit in einer Bewerbungsmappe. So sind z.B. Referenzen aus Ehrenamt, Sport, Verein oder Hobby möglich. Sie bestätigen besondere Fähigkeiten und Kompetenzen sowie Erfolge und tragen dazu bei, dass die Bewerbung erfolgreich ist.
Folgende Aspekte sind zu berücksichtigen:
1. Im Betreff wird der Name des Bewerbers/der Bewerberin genannt.
2. Der Aussteller beschreibt aus persönlicher Sicht.
3. Er verdeutlicht, in welchem Verhältnis er zu dem zu Empfehlenden steht und warum er die Empfehlung ausstellt.
4. Der Zeitraum und die Art der Zusammenarbeit werden dargestellt.
5. Er beschreibt die Arbeit und insbesondere den Nutzen daraus für ihn, als Aussteller.
6. Dabei bezieht sich Lob und Arbeitserfolge immer auf eine konkrete Aufgabe.
7. Die Aussagen sollten einen Bezug zur Stellenausschreibung haben (z.B. über Fähigkeiten und Kompetenzen, die die Stelle erfordert wie Initiative, Einsatzbereitschaft o.ä.).
8. Wie im Arbeitszeugnis auch stehen die Stärken im Fokus des Schreibens, jedoch wird auf die sogenannte „Zeugnissprache“ in aller Regel verzichtet.
9. Das Schreiben sollte klar gegliedert, argumentativ aufgebaut, natürlich fehlerfrei, auf Geschäftspapier in ca. einer Seite abgefasst sein.
10. Gegebenenfalls macht der Aussteller eine Potentialaussage und beschreibt seine Zufriedenheit mit der geleisteten Arbeit.
11. Abschließend sollten telefonische Kontaktdaten für Nachfragen angegeben werden und das Empfehlungsschreiben mit Datum und Unterschrift versehen werden.

Nun wieder zum Anschreiben....

Das Anschreiben: Die wichtigste Informationsquelle für Personaler

Im Anschreiben stellen Sie Ihre Eignung für die ausgeschriebene Stelle dar.

Lesen Sie dazu die Stellenanzeige ganz genau: Welche konkreten Anforderungen (z.B. Ausbildung, Berufserfahrung etc.) sind für die ausgeschriebene Stelle erforderlich und welche Aufgaben sind genau zu erfüllen.

Im ersten Schritt prüfen Sie, ob Sie die Anforderungen erfüllen oder vergleichbare Qualifikationen nachweisen können.
Erst im 2. Schritt schauen Sie sich die beschriebenen Aufgaben an.

  • Kennen Sie diese Aufgaben?
  • Haben Sie sie in einer früheren Beschäftigung bereits erledigt?
  • Wenn ja, wie lange und mit welchem Erfolg?
  • Haben Sie gleiche Themenstellungen möglicherweise in einer anderen Branche erledigt und trauen Sie sich zu, diese Kenntnisse und Erfahrungen auch auf eine andere Branche übertragen zu können?
  • Haben Sie beispielsweise projekthaft bestimmte Aufgaben erledigt?
  • Haben Sie eventuell neue Kolleg/innen angelernt?

Stellen Sie Ihre Fähigkeiten und Kenntnisse in den Vordergrund, die für die Erfüllung der beschriebenen Aufgabe wichtig sind.

Muss-Anforderungen und Kann-Anforderungen in der Stellenanzeige

Lesen Sie genau, ob es sich um eine Muss-Anforderung oder Kann-Anforderung handelt.
Die Muss-Anforderungen erkennen Sie an Formulierungen wie: Voraussetzung ist, unabdingbar, wir setzen voraus, wir erwarten, sie erfüllen…
Kann- Anforderungen werden meist so formuliert: idealerweise…, wünschenswert, weitere Kenntnisse, von Vorteil, zusätzlicher Vorteil, vorteilhaft wäre.. Nehmen Sie auch hierzu Stellung, wenn Sie diese Kenntnisse besitzen oder Erfahrungen dazu haben.
Insgesamt muss in Ihrem Anschreiben der klare Bezug zur ausgeschriebenen Stelle deutlich erkennbar sein. (Keine Standardbewerbung!)

Gliedern Sie Ihr Anschreiben:

Ihre Erfahrung, Ihre fachlichen Qualifikationen, Ihre soziale Kompetenzen (z.B. Verhandlungsgeschick, freundlicher und kompetenter Umgang auch mit schwierigen Kunden), Ihren Grund für die Bewerbung (z.B. suche eine neue berufliche Aufgabe; strebe eine Tätigkeit mit…. an) und die besondere Qualifikation, die Sie für diese Stelle mitbringen.

Also: Teilen Sie dem Arbeitgeber mit, welche Qualifikationen Sie für die zu besetzende Stelle haben und warum Sie geeignet sind, die gestellten Aufgaben zu erfüllen.

Schreiben Sie aussagekräftig (kurz und knapp), begründend mit konkreten Beispielen und gliedern Sie übersichtlich.
Mehr als eine Seite sollte das Anschreiben nicht überschreiten.

Wie formatieren Sie das Anschreiben?

Viele Unternehmen geben vor, wie das Anschreiben und der Lebenslauf auszusehen hat. Din A 4 –im Hochformat, Betreffzeile in Fett ohne „Betreff“ davor zu schreiben (Speditionskaufmann Nr. 1234), linksbündig mit 2,5- 3 cm Rand an der linken Seite.
Ihre Adressdaten mit E-Mail-Adresse und einer Telefonnummer, unter der Sie möglichst auch tagsüber erreichbar sind.
Firmenanschrift mit allen Zusätzen (so wie es in der Stellenanzeige steht) möglichst mit Ansprechpartner/in.
Schreiben Sie die Ansprechpartner/in direkt an: Sehr geehrte Frau… oder Sehr geehrter Herr…. Gegebenenfalls recherchieren Sie oder telefonieren Sie und lassen sich den Namen der zuständigen Person nennen.
Vergessen Sie nicht Ort, Datum und Unterschrift (bei online-Bewerbungen entbehrlich).
Ein einheitliches Layout bezüglich Schrifttyp und Größe im Lebenslauf erleichtert die Übersichtlichkeit und Lesbarkeit. Das aktuellste zuerst.
Schreiben Sie online-Bewerbungen, sollten sie die Dateinamen mit ihrem Namen und mit der Stellenausschreibungsnr/-titel versehen, damit Sie schnell und korrekt zugeordnet werden können. Also z.B. Anschreiben N.N. Speditionskaufmann Nr.1234 oder Lebenslauf N.N. Speditionskaufmann Nr.1234.

Anschreiben sind keine Wiederholung des Lebenslaufs!

So jetzt ganz konkret: Wie schreiben Sie ein aussagekräftiges Anschreiben?

Der erste Satz ist der schwerste?

Falls Sie im Vorfeld telefoniert haben, nehmen Sie Bezug darauf: Für das informative und angenehme Gespräch vom …. bedanke ich mich und schicke Ihnen wie besprochen meine Bewerbungsunterlagen… oder starten Sie mit ...nach x Jahren als… strebe ich eine Tätigkeit als … an. Nach einer Umschulung zum.. möchte ich nun ins Berufsleben einsteigen. ..Ich suche eine neue berufliche Herausforderung und möchte mich daher bei Ihnen vorstellen...

Nun kommt der Abschnitt Erfahrungen und Qualifikationen:

Was haben Sie gelernt, welche Weiterbildungen haben sie absolviert, welche beruflichen Erfahrungen haben Sie, wie lange waren Sie in welchen Funktionen mit welchen Aufgabenschwerpunkten tätig?

  • Verfüge über mehrjährige Erfahrungen mit…
  • darüber hinaus habe ich…
  • weiterhin gehörten zu meinen Aufgaben…
  • ich war eingebunden in...
  • ich unterstützte, koordinierte, verantwortete, entwickelte weiter,
  • mein Aufgabengebiet umfasste,
  • in meiner letzten Position war Schwerpunkt meiner Arbeit...
  • in diesem Zusammenhang, zusätzlich, gemeinsam mit..
  • auch xx gehörte zu meinen Aufgabenumfängen,
  • im Projekt…

Jetzt geht es um die Tätigkeit, die konkrete Aufgabe, die ausgeschrieben wurde:

Der Arbeitgeber möchte wissen, warum Sie meinen, dass Sie der Stelle gewachsen sind. Beschreiben Sie die Aufgaben, die sie bisher ausgeübt haben, wie Sie sie gemeistert haben (welche Qualifikationen oder Kompetenzen haben Ihnen dabei geholfen) und wie zufrieden das Unternehmen / die Kunden etc. waren.

  • Konnte ich ... unter Beweis stellen,
  • nutze ich mein Wissen um… ,
  • konnte ich durch meine Erfahrungen als.. ,
  • meine fachlichen Kompetenzen liegen insbesondere…
  • damit konnte ich …verbessern,
  • sorgte ich für…

Warum bewerben Sie sich auf diese Stelle?

Abschließend erläutern Sie, was Ihre Motivation ist, sich zu bewerben.

Warum möchten Sie diese Aufgabe, bei diesem Arbeitgeber ausfüllen? Was sind Ihre beruflichen Ziele?

  • Wichtig ist mir…,
  • ..dafür möchte ich mich bei Ihnen einsetzen,
  • mein Ziel ist es in dem Bereich… zu arbeiten,um…,
  • ich suche neue berufliche Herausforderungen,..
  • Ausbau meiner Kompetenzen …

Begründen und beschreiben Sie, finden Sie Beispiele und Nachweise aus Ihrem bisherigen Berufsleben!

Angaben zum Eintrittstermin und Gehaltswunsch

Ist dies gewünscht, dann geben Sie diese bitte korrekt an z.B. Frühester Eintrittstermin ist… Falls Sie einen anderen Job kündigen müssen prüfen Sie Ihre Kündigungsfristen. Beim Gehaltswunsch recherchieren Sie und geben Sie eine Spannbreite eines Jahresbruttobetrages an.

Und schließlich "der letzte Satz" im Anschreiben

Vergessen Sie nicht Ihren letzten Satz z.B. „Auf ein persönliches Gespräch freue ich mich“ und das obligatorische „Mit freundlichen Grüßen“ und Unterschrift.

Und zum Schluss noch der Hinweis lesen Sie auf Fehlerfreiheit oder besser noch:

Lassen Sie jemand anderen lesen!

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