Kommunikation neu gedacht: Kommunikation beginnt im Körper und nicht im Kopf - Beate Rudolph

Kommunikation neu gedacht: Kommunikation beginnt im Körper und nicht im Kopf

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Zum Thema Kommunikation gibt es ein für mich wegweisendes Buch von Maja Storch und Wolfgang Tschacher mit dem Titel: „ Embodied Communication“. Sie stellen die „Kanaltheorie“, das bisher gängige Sender-Empfänger-Modell in Frage und sagen, Kommunikation beginnt im Körper und nicht im Kopf.

Dazu einige wie ich finde interessante Ansätze:

Kommunikation wird als offener und umfassender Prozess, der sich dauernd wechselseitig und zirkulär beeinflusst verstanden. Während der Kommunikation werden wir von körperlichen Vorgängen beeinflusst, die durch bisherige Erfahrungen, Erinnerungen und den damit entstandenen Affekten wie z.B. Gerochenes, Gehörtes, Geschmecktes, Gesehenes, Körperempfinden wie Herzrasen ausgelöst werden. Durch diese Inputs werden Netzwerke aktiviert, die versuchen das Geschehene zu deuten und zu bewerten. Manchmal und ziemlich oft kommt es nicht dazu, das zwei miteinander kommunizierende Personen gegenseitiges Verstehen erzeugen und aushandeln sondern es eher ein großes Durcheinander gibt. Die Autoren vergleichen dieses durcheinander mit einer Pizza. Viele Bestandteile der Pizza liegen auf dem Käse, viele unter dem Käse und alle Bestandteile sind mit dem Käse verbunden. Eine geordnete Struktur wie bei der Kanaltheorie nach Emotionswerten, Werteskalen und Botschaftsebenen ist nicht zu erkennen, sondern vielmehr ein körperlich wahrnehmbarer Stimmungsumschwung ins Negative. Die Kommunikation zwischen zwei Personen erfolgt

Pizza ins Gesicht werfen
Pizza ins Gesicht werfen

dann vergleichbar mit Pizza-Ins- Gesicht-Werfen. Viel klebriger Käse bleibt beim anderen haften! Wie kommt man da wieder heraus? Denn eigentlich wollte man doch ein Gespräch führen, um zum Beispiel ein Problem zu lösen. Der Umgang damit ist wirklich harte Arbeit und erfordert volle Aufmerksamkeit:

  • Sich nicht anstecken lassen von negativen Affekten (eigene Affektregulation)
  • was sagt man selbst
  • Beobachten wie der Gesprächspartner interagiert
  • offen sein für die Wahrnehmungsinhalte, die der Gesprächspartner mitzuteilen versucht

Das ist anstrengend und mühselig.

Durch Pizza werfen kann keine Lösung gefunden werden. Um tragfähige und befriedigende Lösungen zu finden braucht es eine ausgeglichene ruhige Affektlage.

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Affektbilanz

Die Autoren schlagen vor, zuerst nach dem Aufwerfen des Pizza-Werfens, sich mit der eigenen Pizza und ihren unterschiedlichen Belägen zu beschäftigen. Dazu stellen sie dem Leser/ der Leserin eine sogenannte Affektbilanz als Hilfsmittel zur Verfügung. Wie bin ich gefühlmäßig auf einer Skala zwischen 0 und plus bzw. 0 und minus 100 betroffen? Woraus setzt sich die negative Bilanz zusammen? Welche Aspekte sind beteiligt? Welche Belagsteile auf meiner Pizza belasten mich am meisten? Bei welchen Belagsteilen kann ich selbst eine Veränderungsmöglichkeit gestalten, die positive Auswirkungen auf die Affektbilanz hat? Um die einzelnen Beläge der Pizza zu analysieren und Veränderungsmöglichkeiten zu entwickeln haben die Autoren das Wunderrad erfunden.

Wunderrad
Wunderrad

Es sieht aus wie eine Pizza: in der Mitte die Situation und außen herum die Pizzateile mit den jeweiligen Ideen zum Umgang mit der Situation. Falls man keine Ideen hat, kann man die unterschiedlichsten Menschen fragen und Ideen von ihnen wie in einem Korb sammeln ohne sich zurechtfertigen oder zu diskutieren etc. Diese gespendeten Ideen, also eine Vielzahl von Handlungsmöglichkeiten kann man dann in einer Affektbilanz für sich persönlich bewerten. Das Wunderrad wird dann mit den besten Ideen bestückt, die dann jeweils herausgepickt und ausprobiert werden können. Um das Miteinander in der Kommunikation zu verbessern, haben sich die Autoren Gedanken zum Thema Verstehen gemacht:

Das Gefühl des Verstandenwerdens geschieht aus ihrer Sicht durch gelungene Synchronisierung der an der Interaktion beteiligten Personen. Diese Synchronisation führt zu einem Stimmigkeitsgefühl, das man dann Verstehen nennt.

Wie kann man diese Synchronisation erreichen?

  • Aufmerksam sein (im hier und jetzt; auf die Situation, auf die eigenen Affekte und auf die des Gegenübers )
  • Augen auf (Wechsel zwischen direktem Blickkontakt und peripheren Gesichtsfeld)
  • Ohren auf (2 offene Ohren): keine eigenen Geschichten entwickeln und dann wie im Fußball mit einer Blutgrätsche mitten in den Redefluss des Gegenübers springen und eine eigene Version der Sache platzieren

Diese Empfehlung nennen sie AAO-Geschenk.

AAO-Geschenk
AAO-Geschenk

Und auch zu einem anderen Schlagwort in der Kommunikation, dem sogenannten Nachfragen haben die Autoren eine eigene Interpretation entwickelt:

Indem man Inhalte, die das gegenüber erzählt, mit eigenen Worten wiedergibt, baut man dessen Geschichte in das eigene assoziative Netzwerk ein und die Assoziationen werden ähnlich. Es entsteht eine gemeinsame Sprache. Ich frage also für mich selbst nach, um mich selbst einzuschwingen und ein Stimmigkeitsgefühl zu erzeugen und um eine Synchronisation herzustellen; die das Gefühl des Verstehens in uns erzeugt und uns ein Gespräch als angenehm fließend und bereichernd vorkommen lässt.

Ich finde diese Ideen und Anregungen nachdenkens- und ausprobierenswert.

Versuchen Sie es!

[socialsharing]

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